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Ein Bericht von Isabell Fischer

"Was werden wir den Journalisten sagen? Wir müssen davon ausgehen, dass alles, was wir wissen, auch sie wissen." "Offenheit ist wichtig", antwortet eine andere Stipendiatin, "wir sollten nichts verheimlichen". Mit diesen Fragen beschäftigte sich der Public Relations Workshop auf dem Seminar der Stipendiatengruppe Bremen zum Thema Medienethik im Januar 2008.
Was die Stipendiaten, die in diesem Planspiel die Rolle der Journalisten übernahmen, allerdings wirklich wussten und ob die Strategie der Offenheit erfolgreich sein würde, zeigte sich erst am Ende des spannenden Planspiels.

Text? Das Seminar "Medienethik - Verantwortungsvolles Handeln in, durch und mit Medien" wurde von den Stipendiaten der Regionalgruppe Bremen ein Jahr lang vorbereitet. Am 25.01.2008 war es dann endlich soweit und das dreitägige Seminar konnte beginnen.
Zunächst sollten die 25 Teilnehmer durch einen groben Überblick in das Thema eingeführt werden. Die Professorin für Journalistik an der Hochschule Bremen, Beatrice Dernbach, beleuchtete medienethische Tücken. Ihr folgte ein Vortrag von der auf Medienrecht spezialisierten Anwältin Dorothee Bölke. Nach diesem journalistischen und rechtlichen Einblick begann für die Teilnehmer die Workshopphase, die das Herzstück des Seminars ausmachte. Wir wollten unseren Teilnehmern das Thema nicht nur theoretisch näher bringen. Wir entschieden uns deshalb, die Stipendiaten selbst aktiv werden zu lassen und ließen sie in die Rolle von Journalisten und PR-Beratern schlüpfen, um sich hautnah mit den dort auftretenden medienethischen Fragen zu beschäftigen.
Bevor die Workshops mit dem Planspiel richtig losgehen konnten, akzentuierte Prof. Dr. Christian Schicha am Samstagmorgen die ethischen Perspektive der Medienethik.
Das Szenario des Planspiels lässt sich schnell skizzieren: die (fiktive) Wesa GmbH, ein Mineralwasserhersteller, ansässig in Bremen, lieferte Chargen aus, die bei einem Großteil der Bremer Bevölkerung zu heftigen gesundheitlichen Problemen führten. Wesa befand sich zu diesem Zeitpunkt in einer Umstrukturierungsphase, in der mehrere hundert Mitarbeiter entlassen wurden. Dies führte zu Unmut und Motivationsschwierigkeiten auf Seiten der Mitarbeiter. Zunächst dementierte Wesa einen Zusammenhang zwischen den Krankheitsfällen und dem Unternehmen. Doch schon wenige Tage später stellte sich heraus, dass Wesa doch dafür verantwortlich war. An diesem Zeitpunkt setzte das Planspiel ein.
Es gab vier Workshops, in denen jeweils sechs bis sieben Stipendiaten zusammenarbeiteten: Printmedien, Online/Web 2.0, Fernsehen und Public Relations. Jeder Workshop wurde von einem Praktiker aus dem jeweiligen Medium begleitet: Christian Sauer war für den Print-, Rainer Kahrs von radiobremen für den Fernseh- und Steffen Büffel für den Internetworkshop zuständig.
Die PR-Gruppe vertrat Wesa und musste sich überlegen, wie sie mit den internen Vorgängen umgehen sollte. Vor allem musste schnell herausgefunden werden, was eigentlich zu der Verunreinigung des Wassers geführt hatte. Grundsätzlich entschied sich die PR-Gruppe, auf die Journalisten und die Bevölkerung zuzugehen und die finanzielle Verantwortung für aufgetretene Schäden zu übernehmen.
Die Journalisten bekamen unterdessen die Möglichkeit mit Betroffenen, Mitarbeitern, Anglern und Tierschützern zu sprechen. Einige dieser Personen hatten wichtige Informationen, die es durch die richtigen Fragen herauszufinden galt. So gelang es einem Journalisten aus der Printgruppe einen Kontakt zu einem ehemaligen Mitarbeiter der Wesa GmbH herzustellen. Tatsächlich war genau dieser Mitarbeiter für die Verunreinigung verantwortlich. Aus lauter Frust über seinen verlorenen Arbeitsplatz schüttete er ein gesundheitsschädigendes Pestizid in die Abfüllanlage.
Von eben diesem Vorfall erfuhr auch die PR-Gruppe kurze Zeit später durch interne Ermittlungen. Doch womit genau der Mitarbeiter das Wasser verschmutzt hatte, stand noch nicht fest, auch nicht, welche Wirkungen und Langzeitfolgen das Mittel hat. Auch ein Anruf bei dem aufgebrachten und demotivierten Peter Stich führte zu keinem Ergebnis. Voller Hass machte Peter Stich Wesa deutlich: "Wenn ich untergehe, geht ihr auch unter."
Mit diesem Informationsstand startete die Pressekonferenz, die in das Planspiel integriert wurde. Die Journalisten attackierten die Kommunikationsleitung der Wesa GmbH, welche sich wiederum auf keinerlei Spekulationen seitens der Journalisten einlassen wollte. Andreas Reissmann, der die Rolle des Pressesprechers übernommen hatte, antwortete auf die Frage, wie er sich während der Pressekonferenz gefühlt hat, mit "nackt und dass er erst nach dem Ende der Pressekonferenz merkte, dass das ganze ja nur ein Spiel sei, so sehr ist er darin aufgegangen.
Nach diesem zweiten Teil des Workshops folgte die öffentliche Gesprächsrunde im Haus der Wissenschaften in der Bremer Innenstadt. Eingeladen waren die Experten Prof. Dr. Christian Schicha, der Kommunikationswissenschaftler Dr. Jeffrey Wimmer, der Web 2.0 Experte Roland Schweins sowie der Filmemacher Jörg Streese. Sie diskutierten über die Verantwortung und die Möglichkeiten der Mediennutzer. Oft geraten diese gar nicht erst in den Blickwinkel, da man häufig nur die ethischen Verpflichtungen der Medienproduzenten fokussiert.
Nach der Gesprächsrunde luden wir unsere Teilnehmer auf das Pannekoekenship am Ufer der Weser und anschließend zu einer nächtlichen Stadtführung ein.
Am letzten Tag des Seminars bekamen die Gruppen Zeit, um ein kurzes Medienprodukt über den Fall zu erstellen. Im Anschluss werteten wir in einer großen Runde die Ergebnisse aus und waren überrascht über die vielen unterschiedlichen Ansätze der Berichterstattungen.
Zudem diskutierten wir die ethischen Aspekte, die wir die Teilnehmer mit diesem Planspiel hautnah erleben lassen wollten. Unser Ziel war es, Medienethik nicht als etwas abstraktes darzustellen, sondern als etwas, vor das Medienschaffende jeden Tag, bis in die kleinste Entscheidung, gestellt werden und worauf sie immer wieder neu Entscheidungen treffen müssen.

Die Bremer Stipendiatengruppe möchte sich bei allen Teilnehmern und Teilnehmerinnen für ihre Begeisterung und ihren Einsatz bedanken.

Außerdem danken wir unseren hervorragenden und sehr engagierten Referenten: Prof. Dr. Beatrice Dernbach, Dorothee Bölke, Prof. Dr. Christian Schicha, Roland Schweins, Jörg Streese, Dr. Jeffrey Wimmer, dem Moderator Andreas Neumann und ganz besonders den Workshopreferenten Steffen Büffel, Rainer Kahrs und Christian Sauer.

Ohne unsere Sponsoren wäre das Seminar nicht möglich gewesen! Unser Dank geht an die Unterstützung der sdw, die Unternehmensverbände im Lande Bremen e.V., nordmedia, den Verlag W.Wächter und die Stiftung Wertevolle Zukunft.

Programm des Seminars